BlowerDoor-Messung nach EN 12829   (DIN V 4108-7)

Die Ansprüche an ein Wohngebäude sind - nicht erst seit gestern - im Wesentlichen auf 3 Kernforderungen zu reduzieren:

-  Man will komfortabel wohnen,

- möglichst wenig Energiekosten zahlen und

- sein Haus auf Dauer vor Schäden sowie den damit zusammenhängenden Reparaturen schützen.

Wer heute ein neues Haus bauen oder ein Gebäude gebraucht erwerben will, wird gerade auf dem Energiesektor mit einer Unmenge von Fachbegriffen konfrontiert: U-Wert, Wärmedurchgangskoeffizient, ENEV (Energieeinsparverordnung), Luftdichtigkeit, Taupunkt ...........usw.

                     

Hinter diesen Fachbegriffen verbergen sich Forderungen, die alle einem Ziel dienen: Einem dauerhaft wirksamen Schutz des Gebäudes gegen Witterungseinwirkungen der verschiedensten Art wie Wärme, Kälte, Feuchtigkeit, Luftzug usw..

Ein Haus muss atmen?

Früher war auch unter Fachleuten die Ansicht weit vertreten, dass ein jedes Wohngebäude eine gewisse Undichtigkeit aufweisen muss, um einen Luftaustausch zu ermöglichen.

Eine absolut dichte Gebäudehülle galt als gefährlich, insbesondere erwartete man hierdurch Schäden an der Gebäudesubtanz. Umfangreiche Untersuchungen haben in den letzten Jahren bewiesen, dass diese, auch heute noch weit verbreitete Meinung, grundlegend falsch ist. Man weiß mittlerweile, dass durch eine Undichte Gebäudehülle, meist einhergehend mit schlechter Dämmung des Gebäudes, sowohl Bauschäden hervorgerufen werden als auch das Wohlbefinden der Hausbewohner empfindlich gestört wird (Zugluft, Schallschutz, Luftqualität). Letztlich wirkt sich eine undichte Gebäudehülle auch negativ auf die Energiebilanz aus - Folge: die Heizkosten steigen.

Wie kommen Fachleute zu solchen Behauptungen?

Bausachverständige wissen heute, dass wesentlich mehr Bauschäden durch Konvektion als durch Diffusion entstehen. Dazu ein Beispiel: Eine Undichtigkeit im Bereich eines Gebäudedaches wird im Winter, auf Grund der nach oben steigenden warmen Raumluft, von innen nach außen durchströmt. Die meist feuchte Raumluft kühlt im Bereich der Undichtigkeit schnell ab, es bildet sich Kondensat und schlägt sich im angrenzenden Bauteil nieder (Konvektion) - ein entsprechender Schaden an dieser Stelle ist vorprogrammiert.                    Sollte umgekehrt der seltene Fall vorliegen, dass der äußere Luftdruck den inneren übersteigt, sind starke Zuglufterscheinungen festzustellen. Dies gilt insbesondere bei Undichtigkeiten in Fußbodennähe. Hier mischt sich die kalte Luft am Boden schlecht mit der nach oben drängenden warmen Raumluft - die thermische Behaglichkeit im Gebäude ist empfindlich gestört.

Die Vorschriften

Die Wärmeschutzverordnung `95 schreibt für alle Neubauten eine luftdichte Gebäudehülle vor. Seit Juli 1998 ist die DIN V 4108-7 anerkannte Regel der Technik. Die "Energieeinsparverordnung" (ENEV), 2002, schreibt ebenfalls im § 5 für alle Neubauten eine luftdichte Gebäudehülle vor. Im Anhang 4 ist hierzu das Nachweisverfahren geregelt und die BlowerDoor-Messung das vorgeschriebene Verfahren zur Messung der Luftdichtigkeit. Insbesondere für Gebäude mit Lüftungsanlagen und Passivhäuser ist sie zwingend Voraussetzung. In der neuen ENEV 2007 ist die Luftdichte Gebäudehülle im § 6 verankert.

Mit einer BlowerDoor-Messung wird die Luftdurchlässigkeit von Gebäuden quantitativ bestimmt.

               

Wann wird ein Gebäude untersucht?

Je nach Problemstellung kann entweder eine BlowerDoor-Messung oder eine Infrarotthermographie alleine oder beide Messmethoden zusammen sinnvoll sein. Es ist zunächst zu klären, welche Art von Untersuchung durchgeführt werden soll. Eine BlowerDoor-Messung kann grundsätzlich ganzjährig durchgefürt werden.

Zu unterscheiden ist die A und B Messung:

Das BlowerDoor-Messverfahren

Die Untersuchung eines Gebäudes mit dem BlowerDoor-Verfahren verfolgt zwei Ziele:

  • Bestimmung der Luftwechselrate n50
  • Ortung der noch vorhandenen Leckagen
    

Dazu wird zunächst der Volumenstrom bestimmt, der für die Aufrechterhaltung von 50 Pa Differenzdruck erforderlich ist. Dividiert man diesen Wert durch das Luftvolumen des untersuchten Gebäudes, so erhält man den n50-Wert. Er wird international für die Bewertung der Luftdichtigkeit verwendet. Ein n50-Wert von 3 pro Stunde (in Zeichen3/h) bedeutet z.B, das bei 50 Pa Differenzdruck das Luftvolumen des Gebäudes dreimal pro Stunde ausgetauscht wird.

Hierzu wird mit dem Gebläse im Gebäude ein Unterdruck von etwa 50 Pa eingestellt. Bei dieser Druckdifferenz lassen sich an Undichtigkeiten deutliche Luftströmungen nachweisen.                                                           Der Nachweis einer Luftströmung erfolgt durch Messung der Strömungsgeschwindigkeit (in m/s) mit einem Thermo-Anemometer (rechts). Da die Luftbewegung mit der Hand deutlich gefühlt werden kann, können bei einer schnellen Leckagesuche Undichtigkeiten auch ertastet werden. In besonderen Fällen kann der Einsatz eines Nebelgenerators oder einer Infrarotwärmebildkamera erforderlich sein.

 

 

Undichter Rollladenkasten bei Überdruck mit Nebelgenerator.

BlowerDoor-Messaufbau mit Computergesteuerten Messablauf.